Ob Rentiere Augenfarbe wechseln? Warum ihre Augen im Winter blau wirken
Rentiere rufen sofort Bilder voller weihnachtlichem Charme hervor. Knirschender Schnee, frostige Luft, das sanfte Licht der Lichterketten und diese einzigartige Atmosphäre, die nur im Winter entsteht. Genau deshalb fällt es so leicht zu glauben, dass diese außergewöhnlichen Tiere mehr in sich bergen als nur ein bezauberndes Aussehen. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Augen von Rentieren im Winter das Licht anders reflektieren als im Sommer. Dies ist eine jener Kuriositäten, die wie ein Ausschnitt aus einer Weihnachtsgeschichte klingen, doch in der Natur eine ganz konkrete Erklärung haben.
- Im Winter reflektieren die Augen der Rentiere das Licht blau, im Sommer hingegen in wärmeren, goldenen Tönen. Dieser Effekt existiert tatsächlich und fasziniert seit Jahren Forscher und Naturliebhaber. Die Veränderung der Augenfarbe hilft den Rentieren, unter winterlichen Bedingungen, wenn die Landschaft schneebedeckt ist, besser zu sehen. Rentiere verbringen im Winter 12 bis 24 Stunden in Dunkelheit oder Dämmerlicht.
- Der saisonale Farbwechsel hilft den Rentieren, sich im arktischen Halbdunkel besser zurechtzufinden. Dadurch funktioniert ihr Sehvermögen während des langen Winters bei schwachem Licht besser. Rentiere leben in Gebieten, in denen die Polarnacht herrscht und die Lichtmenge dort während der langen Wintermonate erheblich eingeschränkt ist.
- Dieses Phänomen beflügelt die Fantasie, denn es verbindet Wissenschaft mit etwas fast Märchenhaftem. Kein Wunder, dass Rentiere so stark mit der Magie der Weihnachtszeit assoziiert werden. Darüber hinaus sind Rentiere die einzigen Tiere, deren Augenfarbe sich je nach Jahreszeit verändert, was ihnen einen Vorteil beim Überleben unter diesen schwierigen Bedingungen verschafft.
Es gibt solche winterlichen Kuriositäten, die perfekt zum Dezember passen. Sie duften nach Wald, funkeln wie Lichter am Weihnachtsbaum und lassen für einen Moment das kindliche Staunen zurückkehren. Zu dieser Kategorie gehören zweifellos die Rentiere und ihre außergewöhnlichen Augen.
Denn auch wenn es wie eine Legende klingt, die am Weihnachtstisch erzählt wird, verändern Rentiere tatsächlich die Art und Weise, wie ihre Augen das Licht reflektieren. Es klingt wie eine schöne Metapher für den Winter, doch dahinter verbirgt sich ein echtes Phänomen, das von Wissenschaftlern beobachtet wurde. Die Natur beweist einmal mehr, dass sie die schönsten Geschichten erschaffen kann.
Inhaltsverzeichnis:
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Hilft die Veränderung der Augenfarbe den Rentieren, besser zu sehen?
- Woher rührt die Beliebtheit dieser Kuriosität?

Nahaufnahme eines Rentierauges und eines Geweihs vor einem hellen Winterhintergrund. Quelle: Sophie Renevey / Unsplash.
Verändert sich die Augenfarbe von Rentieren wirklich?
Ja, aber es lohnt sich, dies einfach und präzise zu erklären: Bei Rentieren finden je nach Jahreszeit physikalische Veränderungen im Auge statt, die die Art und Weise beeinflussen, wie Licht reflektiert wird. Dieser Wechsel der Augenfarbe ist eine Anpassung an die wechselnden Lichtverhältnisse im arktischen Winter – im Sommer haben die Augen eine gold-orangene Farbe, im Winter werden sie blau.
In vielen Artikeln wird behauptet, dass sich die Augenfarbe von Rentieren verändert. Dies ist eine Vereinfachung, die den Kern dieser Kuriosität gut wiedergibt, doch aus wissenschaftlicher Sicht ist die Sache etwas differenzierter. Der Grund für die Farbveränderung ist der geringere Lichteinfall im Winter, wodurch sich die Struktur im Auge anpasst. Es geht nämlich nicht um die Iris, sondern um das Licht, das aus dem Inneren des Auges reflektiert wird. Rentiere und andere Hirsche im Tierreich stehen vor dem Problem, sich an extreme Lichtverhältnisse anzupassen, um auch in der langen arktischen Dunkelheit überleben zu können. Es gibt keine künstlichen Methoden, die Augenfarbe von Rentieren zu beeinflussen.
Was genau verändert sich im Auge eines Rentiers?
Im Auge eines Rentiers befindet sich eine spezielle Schicht namens Tapetum lucidum, die dabei hilft, selbst sehr schwaches Licht zu nutzen. Diese Schicht hinter der Netzhaut verändert je nach Jahreszeit ihre Struktur, um die Lichtreflexion optimal an die jeweiligen Lichtverhältnisse anzupassen. Dank ihr können Strahlen, die nicht sofort eingefangen wurden, reflektiert werden und das Auge erneut durchlaufen.
Das Tapetum lucidum ist eine Membran, auch als reflektierende Schicht bezeichnet, in der sich Kollagen befindet. Die Struktur des Kollagens verändert sich unter dem Einfluss des Augeninnendrucks, insbesondere im Winter, wenn die Rentiere aufgrund des Lichtmangels weit geöffnete Pupillen haben. In dieser Zeit steigt der Augendruck, wodurch das Gewebe in der Spiegelschicht verdichtet wird. Die Dichte der Schicht und Veränderungen der Augenflüssigkeit beeinflussen, welche Wellenlängen des Lichts reflektiert werden, was wiederum die Augenfarbe der Rentieraugen verändert. Die Membran reflektiert das Licht somit zurück auf die Netzhaut und gibt den Augen der Rentiere eine zweite Chance, Photonen bei schwacher Beleuchtung einzufangen.
Dieser Mechanismus ist für die Sehleistung der Rentiere bei schwacher Beleuchtung verantwortlich und erhöht somit die Sehschärfe der Tiere. Rentiere verändern zudem die innere Struktur ihrer Netzhaut, um auch bei Dämmerlicht gut sehen zu können. Wie andere Säugetiere verfügen sie über ein Tapetum lucidum, das die Sicht bei schlechten Lichtverhältnissen verbessert – ein bekanntes Beispiel ist die Katze, deren Augen im Dunkeln leuchten. Wissenschaftler haben mit Hilfe von Daten und Computer-Modellen die Mechanismen der Rentieraugen und die Anpassung der Schicht hinter der Netzhaut an die extremen Lichtverhältnisse in Norwegen untersucht. Diese physiologischen Anpassungen sind mit bestimmten Kosten verbunden, etwa hinsichtlich Energieaufwand und Komplexität der biologischen Strukturen.
Interessanterweise führen diese Veränderungen zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber ultraviolettem Licht und UV-Strahlen. Mit anderen Worten: Die Augen der Rentiere funktionieren wie Nachtsichtgeräte, was ihnen ermöglicht, im ultravioletten Lichtspektrum besser zu sehen.
Aus unserer Sicht ist die Farbveränderung der Augenhaut geringfügig, für das Rentier hat sie jedoch praktische Bedeutung. Dies ist eine enorme Hilfe dort, wo die Tage über viele Wochen hinweg kurz sind und die Landschaft im Halbdunkel versinkt.

Ein Rentier mit vereistem Maul und sichtbarem Auge vor dem Hintergrund eines verschneiten Waldes. Quelle: Nikola Johnny Mirkovic / Unsplash.
Warum nehmen ihre Augen im Winter einen blauen Farbton an?
Im Winter leben Rentiere bei sehr schwachem Licht, besonders während des dunklen Winters. Der Tag ist kurz, es gibt wenig Sonne, und die Umgebung bleibt die meiste Zeit über gedämpft. Der arktische Winter hat ein kühles, gedämpftes, diffuses Licht – ganz anders als der sommerliche Glanz. Rentiere, die unter solchen Bedingungen leben, müssen mit langen Stunden schwacher Helligkeit zurechtkommen, die eher einer sich hinziehenden Dämmerung als einem vollen Tag ähneln. Das sogenannte Winterauge ist eine spezielle Anpassung der Rentiere, bei der sich die Struktur des Tapetum lucidum verändert, um die Lichtstreuung zu optimieren und die Sehfähigkeit bei Dunkelheit zu verbessern.
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass der blaue oder sogar dunkelblaue Farbton der winterlichen Augenreflexe den Rentieren hilft, das in der arktischen Umgebung vorhandene Licht besser zu nutzen. Was die blauen Winteraugen alles leisten: Sie ermöglichen es Rentieren, ultraviolettes Licht zu sehen und UV-reflektierende Oberflächen wie Schnee und Flechten klarer zu erkennen, was ihre Überlebensstrategien im Winter deutlich verbessert. Die blauen Winteraugen sind etwa 1.000-mal lichtempfindlicher als die goldenen Sommeraugen. Im Winter reflektieren die Augen der Rentiere nur etwa 95 Prozent des Lichts, wodurch die Sehleistung bei Dunkelheit optimiert wird. Die erhöhte Lichtempfindlichkeit der Netzhaut verbessert das Sehen bei schwachem Licht, geht jedoch auf Kosten der Sehschärfe. Da die hohe UV-Empfindlichkeit der Rentieraugen langfristig schädlich sein kann, nehmen sie über ihre Nahrung natürlichen UV-Schutz auf.
Der blaue Farbton passt besser zur winterlichen Umgebung und hilft dabei, das zu nutzen, was in der Landschaft noch zu erkennen ist. Ähnlich wie andere Anpassungen wirken die Veränderung der Augenfarbe und weitere Anpassungen zusammen, um das Überleben unter schwierigen Bedingungen zu ermöglichen. Dies ist einer der Gründe, warum Rentiere dort so gut zurechtkommen, wo die Bedingungen für viele andere Tiere schlichtweg schwierig wären.
Hilft die Veränderung der Augenfarbe den Rentieren, besser zu sehen?
Ja, genau darin liegt die größte Bedeutung dieses Phänomens. Rentiere leben in der Arktis und setzen alles daran, ihre Nahrung zu finden, um in dieser extremen Umgebung zu überleben. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Rentiere Fähigkeiten entwickelt haben, die es ihnen ermöglichen, sowohl in ständiger Dunkelheit als auch bei 24-stündiger Helligkeit hervorragend zurechtzukommen. Im Winter werden die Augen der Rentiere lichtempfindlicher. Dadurch finden sich die Rentiere besser in der verschneiten Landschaft zurecht und reagieren schneller auf das Geschehen um sie herum. Die Fähigkeit, UV-Licht zu sehen, hilft ihnen, Flechten – ihre Hauptnahrungsquelle im Winter – effizienter zu finden. Rentiere können im Dunkeln bis zu 1.000-mal besser sehen als im Sommer, was für ihr Überleben im arktischen Winter entscheidend ist. Dies ist ein sehr wertvoller Vorteil in einer Welt, in der der Tag oft nur ein Hauch von Helligkeit ist.
Rentiere verfügen über die meisten Anpassungen an das Sehen unter schwierigen Bedingungen, was ihnen einen Vorteil gegenüber Raubtieren verschafft und es ihnen ermöglicht, sich wirksamer vor diesen zu schützen. Rentiere leben in Gebieten, in denen sie dank ihrer Fähigkeit, im ultravioletten Licht zu sehen, auch unter schwierigen Bedingungen Nahrung finden können. Die Veränderung der Augenfarbe bedeutet jedoch keineswegs, dass Rentiere in völliger Dunkelheit sehen können. Es geht vielmehr darum, sich im schwachen Winterlicht besser zurechtzufinden. Diese Veränderung hilft ihnen zu überleben. Schwaches Licht erschwert die Fortbewegung, die Nahrungssuche und das Erkennen von Bewegungen in der Umgebung. Rentiere ernähren sich von einer besonderen Flechtenart (Cladonia rangiferina), die UV-Licht stark absorbiert, wodurch sie in der verschneiten Nachtlandschaft besser sehen können. Dank ihres außergewöhnlichen Sehvermögens können Rentiere die Flechten in der winterlichen Dunkelheit schon von weitem erkennen, wodurch sie Energie für ihre Wanderungen auf der Suche nach Nahrung sparen.
Genau hier trifft Wissenschaft auf winterliche Fantasie. Denn während wir an Rentiere im Zusammenhang mit Weihnachten, Schlitten und dem frostigen Himmel denken, zeigt uns die Natur, dass ihre Einzigartigkeit tatsächlich real ist.

Ein Rentier vor einem Schlitten in einem verschneiten Wald. Quelle: Norman Tsui / Unsplash.
Woher rührt die Beliebtheit dieser Kuriosität?
Es gibt Tiere, die Sympathie wecken, und solche, die Bilder, Emotionen und Erinnerungen hervorrufen. Rentiere gehören zur zweiten Gruppe. Eine einzige Assoziation genügt, und schon tauchen vor unseren Augen ein Dezemberabend, eine weiche Decke, warmer Tee und der Glanz des Weihnachtsbaums auf.
Die Information über ihre blauen Augen im Winter passt perfekt zu dieser Stimmung. Sie trägt die Kühle einer arktischen Nacht in sich, den Schimmer des lichtreflektierenden Schnees und etwas, das der Weihnachtsmagie sehr nahekommt. Deshalb kommt dieses Thema gerade im Winter so gut zur Geltung, wenn wir nach schönen, leichten und ein wenig ungewöhnlichen Geschichten suchen.
Rentiere erinnern uns daran, dass die Natur uns subtiler überraschen kann als das schönste Märchen. Manchmal genügt ein einziger Blick, um etwas wirklich Einzigartiges in ihr zu erkennen.
Tatsächlich verändert sich bei Rentieren im Winter und im Sommer die Art und Weise, wie ihre Augen das Licht reflektieren. Im Sommer zeigen sich wärmere, goldene Töne, im Winter ein kühles Blau. Dieses Phänomen hilft ihnen, im schwachen Nordlicht besser zurechtzukommen, und zeigt eindrucksvoll, wie geschickt die Natur Tiere an ihre Lebensbedingungen anpasst.
Rentiere leben in der Arktis, in Polarregionen und im arktischen Winter, wo sie extremen Lichtverhältnissen ausgesetzt sind. Rentiere bewohnen die Regionen Nordeurasiens und Nordamerikas sowie Grönland und andere arktische Inseln.
Rentiere sind die einzigen Tiere, von denen bekannt ist, dass sie im Winter ihre Augenfarbe ändern – ihre Augen haben sich als Reaktion auf die Umweltbedingungen verändert, was ihnen ermöglicht, unter schwierigen Wetterbedingungen besser zu sehen.
Dabei kann man sich kaum dem Eindruck entziehen, dass dies eine der schönsten Winterkuriositäten ist. Rentiere haben an sich schon etwas Besonderes an sich, und wenn man dazu noch die Augen hinzufügt, die das Blau des arktischen Winters in sich tragen, erhält die ganze Geschichte einen noch schöneren, festlichen Glanz.
Quellen:
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Stokkan K-A, Folkow L, Dukes J, Neveu M, Hogg C, Siefken S, Dakin SC, Jeffery G. 2013, „Shifting mirrors: adaptive changes in retinal reflections to winter darkness in Arctic reindeer“.
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Fosbury RAE, Jeffery G. 2022, „Reindeer eyes seasonally adapt to ozone-blue Arctic twilight by tuning a photonic tapetum lucidum“.
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Hogg C, Neveu M, Stokkan K-A, Folkow L, Cottrill P, Douglas R, Hunt DM, Jeffery G. 2011, „Arctic reindeer extend their visual range into the ultraviolet“.
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Tyler NJC, Jeffery G, Hogg CR, Stokkan K-A. 2014, „Ultraviolet Vision May Enhance the Ability of Reindeer to Discriminate Plants in Snow“.
Hauptbild:
Ein Rentier, das hinter einem Baumstamm hervorschaut, vor einem verschneiten Hintergrund mit einem Holzhäuschen und einem Schlitten im Hintergrund. Quelle: Shepherd / Unsplash.